Niemand weiß, wann genau
duivel geboren wurde.
Man weiß nur, wo.
Tief im Tempel von Reikan, dort, wo das Serum des Todes seit Jahrhunderten ruht,
geschah etwas, das eigentlich nicht geschehen durfte.
Das Serum sammelte sich in den alten Becken,
verdichtete sich und nahm eine Gestalt an.
Eine Gestalt, die atmete.
Eine Gestalt, die sah.
Eine Gestalt, die von Anfang an wusste,
dass sie nicht hier war, um den Menschen zu dienen.
duivel war kein Mensch, der das Serum getrunken hatte.
Er war aus ihm entstanden.
Und deshalb war das Serum in ihm anders.
Es schärfte seine Sinne bis an die Grenzen dessen,
was ein Wesen wahrnehmen konnte.
Geräusche wurden zu Bildern, Bewegungen zu vorhersehbaren Mustern.
Für
duivel schien die Welt manchmal langsamer zu werden – während er selbst sich bewegte,
bevor andere überhaupt bemerkten, dass ein Kampf begonnen hatte.
Doch seine Gabe hatte einen Preis für alles, was ihn umgab.
Wo er verweilte, starben Pflanzen.
Blätter verloren ihre Farbe. Gras verdorrte unter seinen Füßen.
Tiere wurden unruhig, bevor sie ihn überhaupt sehen konnten.
Denn duivel nahm nicht nur Leben.
Er konnte es spüren.
Mit jeder Berührung entzog er einem Wesen Kraft, Wärme und Leben,
bis nur noch ein leerer Körper zurückblieb.
Für ihn war es keine Grausamkeit. Es war ein Teil dessen, was er war.
Die Menschen von Mirimotha lernten schnell, ihn zu fürchten.
Sie nannten ihn Geist; Monster; Fluch des Tempels...
duivel widersprach ihnen nie.
Er hatte nie gelernt, was Mitleid bedeutet.
Nie gelernt, warum ein Leben wertvoller sein sollte als ein anderes.
Für ihn waren Menschen, Tiere und Pflanzen
lediglich unterschiedliche Formen derselben vergänglichen Kraft.
Und Vergänglichkeit hatte für ihn keinen Wert.
Bald verließ
duivel den Tempel.
Seitdem zieht er durch die Welt und beobachtet
die Menschen, die sich vor ihm verstecken.
Manche versucht er zu verstehen. Manche reizt er absichtlich.
Andere verschwinden einfach, wenn
duivel entscheidet,
dass ihr Leben ihm etwas geben kann.